LRS-Förderung

Curriculum zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben

 Allgemeines

Jede Schülerin und jeder Schüler durchläuft die Entwicklungsphasen des Lesens, Rechtschreibens oder Rechnens individuell zu unterschiedlichen Zeiten. Fehler zeigen Lehrerinnen und Lehrern, welche Phase der junge Mensch erreicht hat – nicht, was er falsch gemacht hat.“ (Karin Wolff, ehem. Hessische Kultusministerin)

Lesen und Schreiben sind Schlüsselqualifikationen im schulischen Leben der Schülerinnen und Schüler. Allerdings zeigt sich, dass einige Kinder besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens haben.

Die so genannten LRS-Kinder zeigen häufig im mündlichen Bereich oder in Fächern, in denen die Rechtschreibung keine so große Rolle spielt, gute, teilweise sogar überdurchschnittliche Leistungen. Wissenschaftlich ist bereits untersucht worden, dass keinerlei Zusammenhang zwischen den Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben und der Intelligenz der betroffenen Kinder besteht.

Diese Kinder benötigen aber eine besondere Förderung. Ziel der Förderung ist nicht, der Schülerin oder dem Schüler zu einem Null-Fehlerquotienten zu verhelfen, sondern ihm oder ihr Mut und Selbstvertrauen zu geben. Die Schüler sollen lernen, dass man mit Geduld und Übung dauerhaft kleinere und größere Erfolge erzielen kann. Daher bietet das Urselbach-Gymnasium eine gezielte Lese-Rechtschreibförderung an, in der Rechtschreibwissen, Rechtschreibstrategien und/oder Lesestrategien vermittelt und eingeübt werden.

Gefördert werden können Schülerinnen und Schüler, die durch gehäufte Fehler im Bereich der Rechtschreibung oder durch stockendes Lesen auffallen. Ein außerschulisches Gutachten ist nicht notwendig, damit ein Kind die Förderung erhält. Alle Schülerinnen und Schüler, die trotz Förderung im Unterricht weiterhin deutliche Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben haben, können im Deutsch-Förderkurs der Klassenstufen 5 und 6 gezielt an Fördermaßnahmen teilnehmen. Sollte der Schüler auch nach der Förderung noch Schwierigkeiten in den oben genannten Bereichen aufweisen, wird die Förderung in der Mittelstufe bzw. in der Einführungsphase fortgesetzt.

 

Diagnose

Das erste Halbjahr der Jahrgangsstufe 5 zählt als Beobachtungszeitraum, in dem eine Förderdiagnose erstellt wird. Dabei kann der Förderbedarf folgendermaßen erhoben werden:

  • Alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen schreiben gleichzeitig im Rahmen des Deutschunterrichts ihrer Klasse das gleiche Diktat. Die Deutschlehrkraft nimmt eine Fehleranalyse vor, anhand derer sie den Förderbedarf bestimmen kann.
  • Auffällige Schülerinnen und Schüler können einen standardisierten Rechtschreibtest machen.
  • Fachlehrer und Fachlehrerinnen melden auffällige Schülerinnen und Schüler dem Deutschlehrer.

Nachdem bei einem Kind ein Förderbedarf festgestellt wurde, erfolgt ein persönliches Gespräch mit den Eltern, um die Fördermaßnahmen zu besprechen und die Unterstützung der Eltern sicherzustellen. In schweren Fällen, die eine echte LRS oder Legasthenie vermuten lassen, werden Eltern auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der Praxis für ganzheitliches Lernen PGL in Oberursel hingewiesen. Anschließend entscheidet die Klassenkonferenz halbjährlich unter Berücksichtigung des Lernfortschritts über die Fortsetzung der Förderung und dokumentiert den Beschluss. Dabei wird auch über einen eventuellen Nachteilsausgleich entschieden sowie festgelegt, ob die Schwierigkeiten auch für die Fremdsprachen anerkannt werden.

 

Förderung

Individuelle Förderung, besonders im Rechtschreiben und Lesen, ist stets im Fachunterricht Deutsch integriert. Darüber hinaus findet für betroffene Schülerinnen und Schüler eine spezielle Förderung in einem Deutsch-Förderkurs statt. Im Fachunterricht Deutsch und anderer Fächer wird gegebenenfalls ein Nachteilsausgleich (z. B. verlängerte Bearbeitungszeiten) oder eine Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsfeststellung oder der Leistungsbewertung gewährt.

Die Förderkurse sind in das Ganztagsprogramm integriert und finden in Klasse 5 und 6 mit einer Wochenstunde statt. Geleitet werden sie in der Regel vom unterrichtenden Deutschlehrer. Die Deutschlehrkräfte des Urselbach-Gymnasiums nehmen regelmäßig an Fortbildungen zum Thema LRS teil. In den Förderkursen werden rechtschreibtypische Lernstrategien, wie z. B. die Technik der Selbstkorrektur, die Technik des Abschreibens, dieTechnik des konsequenten Silbensprechens beim lautgetreuen Schreiben, die Technik der Ableitung von lautgetreuen Wörtern sowie das den Fremdsprachen vergleichbare Lernen von deutschen „Vokabelwörtern“ vermittelt.

Die verwendeten Übungsmaterialien sind von den Lehrkräften selbst zusammengestellt aus Sprachbüchern, den Materialien der LRS-Trainerin Martina Weigelt und den Förderprogrammen des Cornelsen Verlags.

Halbjährlich wird ein Diagnosediktat geschrieben, um Lernfortschritte zu dokumentieren und die nächsten Förderziele zu bestimmen.

Für Schüler der Klassenstufen 7, 8 und 9 gibt es auch in der Mittelstufe die Möglichkeit, einen einstündig unterrichteten Deutsch-Förderkurs zu besuchen, um eine Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung zu erreichen. Die Deutschlehrkräfte ermitteln dazu die Schüler, bei denen ein weiterer Förderbedarf besteht. Diese werden dann jahrgangsübergreifend zu einem Förderkurs zusammengeschlossen und individuell gefördert. In regelmäßigen Abständen wird dabei der Lernfortschritt überprüft und die Förderung angepasst. Auch in diesen Jahrgängen erfolgt eine Dokumentation des Fortschritts und der Förderziele.

In einigen Fällen kann es auch vorkommen, dass eine Lesestörung isoliert auftritt. Dies kann die Leistungen eines Schülers gravierend beeinflussen, da sie sich, mehr noch als Rechtschreibprobleme, in allen Fächern negativ auswirkt und die Lehrkräfte das tatsächliche Leistungsvermögen des Kindes nur schlecht beurteilen können. Hier ist eine Förderung in Kleingruppen unumgänglich. Besonders die Entwicklung sinnentnehmenden Lesens muss hier im Vordergrund stehen. Außerdem muss mit dem Schüler erarbeitet werden, welchen Nutzen bzw. Vorteil das Lesen hat. Die Lesefreude soll durch entsprechende Inhalte gefördert werden.

Da die Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben ein sprachliches Problem sind, können sie auch in den Fremdsprachen auftreten. Oft reichen hier die Probleme über die reine Rechtschreibung hinaus in den grammatischen Bereich hinein, z. B. bei Apostrophen, Kurzschreibungen, unregelmäßigen Verben oder auch Satzbau. Eine Förderung der betroffenen Schüler auch in der Fremdsprache ist daher meist sinnvoll. Hierzu sprechen sich die Fremdsprachenlehrkräfte mit den Deutschlehrkräften ab, um eine Überforderung der Schüler zu vermeiden.